Auf den Spuren des Großvaters

Claire und William Sekkel, Enkel des 1933 vom Theater vertriebenen Sängers Nusyn Hornblass, waren im Internet überraschend auf den vor dem Opernhaus verlegten Stolperstein für ihren Großvater gestoßen. Die Freude war riesig, dass man ihn offenbar in Kassel nicht vergessen hat.

 Nun war Claire Sekkel am 11. Juni 2016 mit ihrem Sohn Pedro am früheren Wirkungsort zu  Besuch, nahm den Stolperstein selbst in Augenschein und suchte auch das Haus auf, in dem Nusyn Hornblass zuletzt mit seiner Familie gewohnt und wo Claire Sekkels Mutter ihre ersten Lebensjahre verbracht hatte.

 Das Staatstheater stiftete Freikarten für die abendliche Premiere im Schauspielhaus. Am Beginn der Premierenfeier begrüßte Intendant Thomas Bockelmann die Gäste aus Brasilien offiziell herzlich und überreichte ihnen eine „Premierenrose“ – am Ende eines sicherlich unvergesslichen Tage

 

Nusyn Hornblass noch in Europa (Privatbesitz W. Sekkel) - Claire Sekkel (2. von links mit ihrer Kollegin und Freundin Charlotte Röhner) und Pedro Sekkel (2. von rechts) zusammen mit Jochen Boczkowski (Mitte) und Wolfgang Matthäus vom Verein Stolpersteine in Kassel am Stolperstein für Nusyn Hornblass vor dem Eingang zum Opernhaus (Foto: Hein).

 

NEUE STOLPERSTEINE - ERSTMALS AUCH IN BETTENHAUSEN


Die Hunderter-Grenze ist überschritten, seitdem Gunter Demnig weitere 28 Stolpersteine in das Pflaster Kasseler Bürgersteige eingelegt hat. Genau um 10:45 Uhr in der Obersten Gasse 14 ist der 100. Stein verlegt wrden. Nachdem um 15:15 (mit etwas Verspätung - eine kurze Mittagspause war nötig) in Bettenhausen die Steine für zwei katholische Priester vor der Sankt Kunigundis-Kirche in der Leipziger Straße verlegt worden sind, erinnern jetzt  insgesamt 118 Stolpersteine auf den Bürgersteigen Kassels an ebenso viele Opfer des faschistischen Terrorregimes.

 

Eine genaue Liste der neuen Verlegestellen, der Opfer und der Verlegezeiten findet man hier.

 

Fotos von den feierlichen Verlegeaktionen werden ab 18. Mai hier zu finden sein.

 

 

NACHZÜGLER: An zwei weiteren Stellen werden wir im Sommer Stolpersteine (dann ohne Gunter Demnig) verlegen. Dies ist nötig, damit die diesmal verhinderten Verwandten der Opfer auch teilnehmen können bzw. weil neue Rechercheergebnisse zu Veränderungen geführt haben.

Vorraussichtliche Termine

  • für Ehepaar Landschneider:   21.Juli 2016
  • für Familie Oppenheim              September 2016

Daniel Lobo Filho

auf den Spuren seines 1944 ermordeten Onkels Werner Holländer

Wir trafen ihn kurz vor Weihnachten am 15.12.2014 in Frankfurt am Main

mehr dazu hier

Mahnwachen und Putzaktionen zum

Auschwitz-Gedenktag  am 27.1.2016 

Zahlreiche Unterstützer putzten an diesem Tag die Steine, legten Blumen nieder, zündeten Kerzen an und kamen mit Passanten ins Gespräch, klärten über Biografien von Opfern auf.

Bei der Aktion am Stolperstein für Regina Deborah Schiff in der Parkstraße war OB Bertram Hilgen, der Pate des Steins, anwesend.

Näheres dazu auf der Seite der Stadt Kassel.

 

Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung der Stadt hielt auf deren Bitte hin Vorstandsmitglied Wolfgang Matthäus auf dem neuen jüdischen Friedhof in Bettenhausen die Gedenkrede. Den Text finden sie hier.

Mahn- und Putzaktion am 9. November 2015

Angeregt von einer Initiative aus Leipzig wurden in vielen Städten Mahnwachen durchgeführt und Stolpersteine geputzt.

Auch wir in Kassel haben zum 76. Jahrestag der Pogromnacht 1938 (zumeist) zwischen 17:00 und 18:00 Uhr die Steine geputzt und Mahnwachen durchgeführt (bei allen 90 im Stadtgebiet verlegten Stolpersteinen).. 

Fotos davon und den Zeitungsbericht darüber findet man   hier

 

Weitere Fotos von der diesjährigen Putz- und Gedenkaktion kommen in den nächsten Tagen

Bilder vom  27.1.2015

findet man hier 

und auch einen Zeitungsartikel dazu


Ein Stolperstein kehrt zurück

Foto: Wolfgang Matthäus
Foto: Wolfgang Matthäus

Die Bauarbeiten auf der Friedrich-Ebert-Straße hatten seine vorübergehende Entfernung und Einlagerung erzwungen. Nun kehrte der Stein für Lehmann Tannenbaum vor der Friedrich-Ebert-Straße 27 mit der Post Apotheke zurück. Bei seiner Wiederverlegung im Rahmen einer kleinen Zeremonie am 20. August 2015 waren u. a. dabei: Jochen Boczkowski (Vorsitzender Stolpersteine in Kassel e. V.), die Apothekerfamilie Parzefall als Steinpaten und Sylvia Tannenbaum, die Urenkelin Lehmann Tannenbaums (von rechts).


"Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist."

Gunter Demnig mit Hut
Gunter Demnig (Foto von Karin Richert)

Mit Stolpersteinen den Menschen ihren Namen wiedergeben, die Opfer in der Nazizeit wurden - das ist das europaweite Anliegen des Künstlers Gunter Demnig.

Die Opfer waren Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer. Es gab Millionen solcher Opfer, die nach dem Willen der Nationalsozialisten namenlos, heimatlos und geschichtslos bleiben sollten.

Den Namen wiedergeben: Auf Messingplatten, die auf 10 x 10 cm großen Betonquadern verankert sind, werden Name, Geburts- und Todesjahr mit Schicksalsangaben eingelassen. Jedes Opfer erhält einen persönlichen Stein. So werden Identität und Schicksal lesbar. Durch den Gedenkstein vor den Häusern der Opfer wird die Erinnerung an sie und ihre Geschichte wieder in unsere alltäglichen Wege geholt.

 

Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig hat für sie diese Kunstform entwickelt. In ca. tausend deutschen und europäischen Gemeinden und Städten hat er bisher über 40 000 Stolpersteine verlegt, unterstützt von örtlichen Initiativen. „Jeder persönliche Stein symbolisiert auch die Gesamtheit der Opfer, denn die eigentlich nötigen Steine kann man nicht alle verlegen“, sagt er. 

Stolpersteine Ehepaar Oppenheim
Stolpersteine für Ehepaar Oppenheim

Besonderheit des KunstDenkmals STOLPERSTEINE ist, dass man auf alltäglichen Wegen unerwartet auf diese hellen Messingplatten trifft. Ihre Inschriften machen neugierig. So beugt man sich hinunter und liest die Kurzbiografie eines verfolgten Menschen.

 

 

Fotos aus dem Nachlass Schiff
Fotos aus dem Nachlass (Regina D. Schiff)

Der Gedenkstein, der vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz des Opfers liegt, lässt Gedanken stolpern. Solche Stolpersteine bringen den Betrachter nicht zu Fall, sondern sind Anstoß zum Innehalten und Nachdenken.

 

 

 

 


Gespräch mit "Stolpersteine in Kassel e. V." im Freien Radio Kassel (19.11.2015)

Jochen Boczkowski, Frank-Matthias Mann und Wolfgang Matthäus führten am 19. November 2015 im Freien Radio Kassel mit Klaus Schaake ein Gespräch über die Arbeit des Vereins in der Reihe "Stadtlabor". Zur Aufzeichnung des Live-Gesprächs ohne die gesendeten Musikstücke gelangen Sie hier:

 

Gunter Demnig und die Stolpersteine in der öffentlichen Diskussion

Ein "Millionengeschäft"?

NDR.de .KULTUR   5.11. 2014   von Daniel Kaiser

MILLIONENGESCHÄFT ?

Prof. Johannes Tuchel zu Stolpersteinen

Der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Interview

Heraus aus der Trauerecke - von Sergej Lagodinsky

LESENSWERT   (aus der Süddeutsche Zeitung 17.8.2015)

Streit um Stolpersteine. Eine Diskussion bei der Körber-Stiftung am 8.9.2015

Auf dem Weg ins Büro, vor dem Hauptgebäude der Universität Hamburg, vor der eigenen Haustür oder an der Eingangstür der Arztpraxis um die Ecke: Vielerorts begegnen wir kleinen Betonwürfeln im Gehweg, die mit einer Messingplatte versehen sind. Der Kölner Künstler Gunter Demning initiierte das Projekt »Stolpersteine« im Jahr 1995. Seither sind in Deutschland und weiteren 17 europäischen Ländern rund 50.000 Gedenksteine verlegt worden. Sie erinnern an die Verfolgten, Deportierten und Ermordeten des NS-Regimes – an den Orten, an denen sie zuletzt gewohnt oder gearbeitet haben.

Das Projekt hat sich zu einem Erfolgsmodell der Erinnerungskultur entwickelt und ermutigte viele Menschen dazu, einen Gedenkstein anfertigen zu lassen. Die entwickelte Eigendynamik löst jedoch zunehmend Kritik aus. Inschriften wie »Rassenschande« oder »Gewohnheitsverbrecher« zieren zum Teil die kleinen Steine – ohne sich von diesen NS-Begriffen zu distanzieren. Ebenso wird kritisiert, dass die Gedenksteine im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten werden. Daher lehnen einige Städte die Stolpersteine ab, darunter auch München.

Ob das Projekt seine Ziele verfehlt, der Profit im Vordergrund steht und die Angehörigen selbst übergangen werden, darüber diskutieren der Publizist und Autor Micha Brumlik, der Journalist Daniel Killy und Peter Hess, Projektkoordinator der Stolpersteine in Hamburg.

Eine Video-Aufzeichnung finden Sie hier.

 

 

Die Ziele des Vereins

TERMINE 2016

Sommer 2016 Steinverlegungen

Veranstaltungshinweise September / Oktober 2016

19. September  14-18 Uhr

Was können Stolpersteine bewirken?

Seminar für Lehrkräfte und Interessierte

Leitung F.M. Mann, W. Matthäus und J.Strube

LEA Fortbilldungsveranstaltung

kostenfrei, Anmeldung notwendig

anmeldung@lea-bildung.de

14. September

„Ich bin zu brechen, aber nicht zu biegen“

Prof. Dietfrid Krause-Vilmar stellt sein neues Buch zu Kurt Finkenstein vor

19.00 Uhr

Kirche im Hof, Friedrich-Ebert-Straße 102 (Kassel-West e. V.)

 

18. September

"Jüdisches Leben zwischen Annastraße und Ständeplatz"

Ein Spaziergang mit Wolfgang Matthäus, der vor allem auch zu mehreren Stolpersteinen führt.

(Stadtbüro Friedrich-Ebert-Straße)

16.30 Uhr - Treffpunkt Parkstraße Ecke Westendstraße)

 

28. September

"Eine Untergegangene Welt"

Wolfgang Matthäus stellt "Selbstzeugnisse jüdischen Lebens aus dem Vorderen Westen" vor

19.00 Uhr

Kirche im Hof, Friedrich-Ebert-Straße 102 (Kassel-West e. V.)

 

12. Oktober

„Auf den Spuren einer vergessenen Bohème: Max Herrmann Neiße und seine Schriftstellerfreunde Finkenstein und Lewandowski in Kassel“

Vortrag von Horst Paul Kuhley

19.00 Uhr

Kirche im Hof, Friedrich-Ebert-Straße 102 (Kassel-West e. V.)

 

19. Oktober

Herbert Lewandowski - Lee van Dowski (1896 Cassel – 1996 Genf)

Lewandowski als der 'neue Plutarch': Seine Biographien zwischen Historik und Poetik.“

Vortrag von Karl-Heinz Nickel

Kirche im Hof, Friedrich-Ebert-Straße 102 (Kassel-West e. V.)

 

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei.

Bei den Veranstaltungen von Kassel-West e. V. sind wir Kooperationspartner

 

Stolpersteine in Kassel e. V. ist Kooperationspartner der vhs-Veranstaltungen

Teilnehmergebühr bei den Vorträgen jeweils 5 €